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Was ist Liebe?
Liebe ist ein als
schön empfundenes Gefühl der Zuneigung, das im einzelnen Fall sehr
flüchtig, aber auch für das ganze persönliche Leben bestimmend sein kann
und bis zur hemmungslosen Verfallenheit reicht. Das Spektrum reicht von
der exklusiven ehelichen Liebe über die allgemeine Menschenliebe bis zur
Vielfalt der kleinen Leidenschaften und Liebhabereien. Ihr geht Freiheit
voraus und sie kann nicht unter Zwang entstehen. Als Gegenteil der Liebe
wird oft der Hass angesehen, stärker aber auch noch die Gleichgültigkeit
(Ataraxie) und die Angst.
Die deutsche
Sprache ist beim Begriff der Liebe nicht sehr differenzierend. Im
Griechischen kennt man alleine drei Begriffe, wofür das Deutsche nur
einen benutzt: Eros (sexuelle Liebe), philia (die Freundesliebe, Liebe
auf Gegenseitigkeit), agape (eine sehr hohe Form der Liebe, selbstlose
Liebe, „Feindesliebe“, christliche Nächstenliebe)
Liebe und
Sexualität sind eng miteinander verbunden, aber nicht zwingend.
Neuen
Gehirnstromuntersuchungen und Studien zufolge bewirkt Liebe in den
Triebbreichen des Gehirns die meiste Aktivität, was darauf schließen
lässt, dass Liebe eher den Trieben als den Gefühlen zuzuordnen ist.
In der Soziologie
wird Liebe weniger als Gefühl, denn als „gesellschaftliche Semantik“
bzw. als „Kode“ begriffen. So formuliert Niklas Luhmann (Luhmann 1982:
Liebe als Passion) romantische Liebe als ein Phänomen der Moderne,
welches seine Grundlegung vor allem im Bürgertum des 18. Jahrhunderts
erfährt. Liebe fungiert in der heutigen funktional aus differenzierten
Gesellschaft in erster Linie als „symbolisch generalisiertes
Kommunikationsmedium“, das unwahrscheinliche Kommunikation
wahrscheinlich macht. Klingt zunächst kompliziert, lässt sich aber
einfach zusammenfassen:
Die Gesellschaft
differenziert sich immer stärker in einzelne Teilbereiche, jedes
einzelne Individuum ist in dieses Teilbereichen, z.B. der Familie oder
der Schule immer nur zu einem Teil verortet und bewegt sich ständig
zwischen diesen. Dem Einzelnen fällt es vor diesem Hintergrund zunehmend
schwerer sich selbst zu bestimmen, denn schließlich ist es nicht mehr
möglich sich selbst nur über das Eingebundensein in nur einen
Teilbereich der Gesellschaft zu definieren, da man ja gleichzeitig
„Mitglied“ in vielen verschiedenen ist.
Hinzu kommt, dass
diese Individualität und Identität im kommunikativen Austausch mit
anderen bestätigt werden muss. Diese „höchstpersönliche“ Kommunikation
wird in einer ausdifferenzierten Gesellschaft aber zunehmend
unwahrscheinlich, denn zum einen bewegen wir uns ständig in verschiednen
Bereichen der Gesellschaft und sind nirgends voll und ganz verwurzelt
(wir sind Studenten, Töchter oder Söhne, Freizeitsegler, Atheisten
etc.), so dass wir in diesen Bereichen auch nur unpersönliche
Kommunikation erfahren und zum anderen sind wir nun alle Individuen,
also etwas ganz Besonderes, Einzigartiges und anders als die Anderen.
Angesichts dieser
Entwicklung ist es nicht nur schwierig miteinander in Kontakt zu treten,
es wird auch schwierig einander überhaupt noch zu verstehen bzw. die
Motivation zu finden sich auf einen doch so Besonderen Anderen
einzulassen. Genau dieses Problem zu bewältigen ist Aufgabe der Liebe.
Liebe als Kommunikationsmedium motiviert dazu sich dem Anderen
verstehend zu nähern und ihn dadurch in seinem „Selbst-Sein“, seinem
ganz persönlichen „Weltbezug“ zu bestätigen.